Rückblick

06.-19.07.2016 - Als NaturFreund auf der Heiligen Nase

Im Sommer 2016 konnte ich mir endlich einen Traum erfüllen - eine Reise zum Baikalsee in Sibirien, dem Wahrzeichen der Republik Burjatien, dem buddhistischen Zentrum der Russischen Föderation.

Der Baikalsee ist der älteste (> 25 Millionen Jahre), größte (673km lang x 82km breit) und tiefste (1642m) Süßwassersee der Erde - er speichert über 20% des gesamten Süßwassers unseres Planeten (23.615 km³) - dank eines einzigartigen biologischen Filtersystems zudem in Trinkwasserqualität. Hier leben über 2600 verschiedene Tier- und Planzenarten, wobei 2/3 davon endemisch sind, also ausschließlich am Baikalsee vorkommen. Dies lässt erahnen, warum dieser See so faszinierend und einzigartig ist, warum dieser durch den Menschen bewahrt und als unermesslicher Schatz geschützt werden muss.

Mit diesem Vorsatz gewappnet nahm ich als Volontär (Freiwilliger) an einem zweiwöchigen Arbeitseinsatz zum Bau des ersten ökologischen Fernwanderweges in Russland, im Transbaikal-Nationalpark auf der Heiligen Nase, teil (der größten Halbinsel im Baikalsee). Der höchste Punkt auf der Halbinsel liegt auf einer Höhe von 1898m. Unser Zeltcamp befand sich direkt in einer Bucht direkt am Baikalsee. Von meinem Zelt hatte ich nur 20m bis zum See!

Wir waren 17 Teilnehmer im Projekt "Trial Trail". Diese kamen aus Smolensk, Sankt-Petersburg, Archangelsk, Moskau, Angarsk, Kasan, Novosibirsk, Irkutsk sowie aus Bremen, Köln, Würzburg aber auch aus Neuseeland, der Schweiz und der Slowakei.

Ziel des Projektes "Trial Trail" war und ist es, eine Möglichkeit zu schaffen, dass Touristen auf einem sicheren und ökologisch gebauten Trail (Weg) zum Ziel gelangen. Der alte Aufstieg hatte meist keinen festen Untergrund und einen nicht erkennbaren Streckenverlauf. Aus diesem Grund wurden die Arbeiten des Vorgängerprojektes gewartet und neue Serpentinen angelegt. Am Ende konnten wir stolz auf die Pflege von 500m der alten Strecke und das Anlegen von über 500m des neuen Weges zurückblicken. Organisiert wurde und wird dieses und viele andere jährlichen Sommerprojekte rund um den Baikalsee vom Great Baikal Trail (GBT), einer interregionalen non-profit Organisation mit Sitz in Irkutsk. Wer weitere Informationen möchte, diese gibt es am Ende dieses Kurzberichts.

Damit das Frühstück, das Mittagessen und das Abendbrot für uns als Selbstversorger funktionierte, waren jeden Tag 3 Teilnehmer "on duty", hatten also Dienst. Dies bedeutete nicht nur etwa 1.5h eher aufstehen als der Rest, sondern vor dem Frühstück auch das Campfeuer zu reinigen, Feuer zu machen, Wasser zu holen, Tee und Kascha (Grütze) zu kochen, den Tisch abzuwischen, Brot, Wurst und Käse zu schneiden, biologisches Spülwasser vorzubereiten und natürlich jeden zu wecken. Zum Mittag gab es meist Eintopf, Borschtsch aber auch mal Curry, gekocht von zwei anderen deutschen Teilnehmern und Knoblauchsuppe von Marek aus der Slowakei. Es gab stets auch die Möglichkeit, vegetarische Kost zu sich zu nehmen.

Der Start und das Ende des internationalen Projekts war jeweils in Ulan-Ude (der Hauptstadt von Burjatien und buddhistisches Zentrum mit ca. 350.000 Einwohnern). Die An- und Abreise erfolgt mit Flugzeug über Moskau nach Ulan-Ude und zurück. Wahlweise kann man aber auch per Zug (Transsib) und Bus reisen - muss dann aber natürlich mehr Zeit einplanen.

Die Organisation fand ich perfekt, es hat alles gepasst. Sprachprobleme wurden durch unsere vortreffliche Übersetzerin Olja in Luft aufgelöst. Was wann, durch wen, zu tun ist, diese Frage stellte sich auch nicht - durch unseren ausgezeichneten Brigadier (Leiter) Roma aus Irkutsk. Das hätte alles aber auch nicht geholfen, wenn nicht jeder Teilnehmer arbeitswillig, hilfsbereit und zielstrebig gewesen wäre. Das Schöne daran war, dass jeder, so unterschiedlich wir auch alle waren, ebenfalls ein offenes Herz hatte und am Ende jeder jeden einludt, sich doch auch einmal gegenseitig zu besuchen. Ein schöneres Geschenk, ein schöneren Freundschaftsbeweis kann ich mir nicht vorstellen. So wäre es auch für mich eine große Freude, Teilnehmer des Projektes in Würzburg, sei es nun Roma, Olja, Rudi, Mascha, Marek, Natascha, Tamara, Rosa, Claudia, Galia, Max, Nadine, Peter, Nastja, Igor oder/und Stjoscha begrüßen zu dürfen.

Zusammenfassung: Ich habe in diesen unvergesslichen zwei Wochen sehr viel über ökologischen Wanderwegebau gelernt und über die Einzigartigkeit, die Vielfalt, Verletzlichkeit und das Schutzbedürfnis der Natur an sich. Ich denke dies ist Motivation genug für viele Jahre ehrenamtliche Tätigkeit hier vor Ort. Bewegend fand ich die Gastfreundschaft unserer russischen Freunde, die Herzlichkeit und Geduld beim Erklären, die Offenheit und Sachlichkeit ohne jedwede Doppelmoral und Feindseligkeit - wie sie leider hierzulande noch zu oft propagiert und stillschweigend geduldet wird.

Wer sich ebenfalls für dieses oder andere Projekte am Baikalsee interessiert::

Offizielle Seite vom Great Baikal Trail:
www.greatbaikaltrail.org

Falls Ihr mehr über die Reise wissen oder mithelfen wollt die hiesigen Wanderwege zu pflegen,
könnt Ihr mir gern eine E-Mail senden:
gunnar.lorenz@naturfreunde-wuerzburg.de

Würzburg im August 2016

Berg frei!

Gunnar Lorenz
Wanderwegewart - Kultur/Umwelt

Fotos: GBT

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Rückblick / Vergangene Veranstaltungen

Sa., 06.05.2017 - "Das NaturFreundehaus - ein Ort für Integration"

Sa., 10.12.2016 - NaturFreunde-Kinder bescherten die Tiere im Wald und wurden vom AWO-Kinderhaus selbst beschenkt

Quelle und Rückblick: Veitshöcheim-Blog (externer Link)

Fr., 16.08.2016 - Kinder lernten richtigen Umgang mit Hunden - Ein einmaliges Erlebnis mit DLRG-Suchhunden im Veitshöchheimer Ferienprogrammangebot durch die NaturFreunde

Quelle und Rückblick: Veitshöcheim-Blog (externer Link)

Sa., 30.04.2016 - Monatstreffen - Fluchtursachen

Rückblick siehe Veitshöcheim-Blog